Podwichteln2018 – Hans Paetsch

Auch in diesem Jahr haben wir wieder beim Podwichteln teilgenommen, also selbst eine Folge für einen anderen Podcast aufgenommen und diese hier geschenkt bekommen.
Wie auch in den letzten Jahren war es uns ein großes Vergnügen!
Herzlichen Dank an unsere Wichtel für dieses wundervolle Ergebnis!
Aber hört selbst…!

Shownotes:

In dieser Hörmal Folge geht es um eine der wohl bekanntesten Stimmen im Bereich Hörspiel: Hans Paetsch. Seine verschmitzt, bassige Stimme brachte ihm den Ruhm des “Märchenonkel der Nation” zu sein. Dazu unterhalten wir uns über das Label Europa, denn Hans Paetsch und Europa sind in keiner Weise zu trennen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Paetsch

Über Hans Paetsch

Geboren im Elsaß 1909 konnte sein Talent fürs Schauspiel während seines Studiums entdecken. Nachdem er sein Studium trotzdem abgeschlossen hatte, damals waren die Leute zum Teil viel vernünftiger, bekam er verschiedene Arrangements, unter anderem ziemlich lange in Lübeck.
Während des zweiten Weltkriegs arbeitete er als Schauspieler in Prag. Angeblich wollte er dort in einer sehr dichten Blase gelebt haben und wenig von den Verbrechen und dem Krieg in der Stadt erlebt haben.
Wohlwollend könnte man meinen, dass er als Künstler sich der Kunst voll verschrieben hatte und deswegen zum Mitläufer wurde. Bösartig aber wahrscheinlicher ist es eher eine gewisse Ignoranz um in seinem Leben als Schauspieler möglichst wenig Probleme zu haben.
Nach dem Krieg konnte er in Hamburg am Thalia Theater spielen. Dazu trat Paetsch in verschiedenen Filmen schon zur NS Zeit auf. Zu den berühmtestes gehört vielleicht die Wallace Verfilmung “Das Gasthaus an der Themse” von 1962.
1998 gab er im Eröffnungsteil des Films “Lola rennt” von Tom Tykwer seine Stimme als Erzähler. Seine Stimme war der deutschen Öffentlichkeit zu diesem Zeitpunkt bereits als “Märchenonkel der Nation” bekannt, weil er bis dahin im größten Teil der Hörspiele von Europa entweder als Erzähler oder als Sprecher zu hören war. Seit den 1960ern war er für das Label tätig und konnte im Jahr eine sehr große Zahl an Produktionen abliefern. Ebenbürtig ist eventuell noch Hans Clarin, der durch Pumuckl, die Mumins oder Asterix seine Stimme berühmt machen konnte.
Bis ins hohe Alter beteiligte er sich an Hörspiel- und Filmproduktionen. 2002 starb er in Hamburg.
Seite Stimme zeichnet sich durch einen sonoren, bassigen Grundton aus, die aber immer etwas verschmitztes hatte.

Wer einen Eindruck von Hans Paetsch bekommen möchte, dem empfehle ich die NDR Dokumentation, auf YT zu sehen:

https://www.youtube.com/watch?v=hjBLOYsO-dY

Über Europa

Das Label wurde in Hamburg durch David Miller, Andreas Beurmann und Wilhelm Wille als Miller International Schallplatten GmbH ins Leben gerufen. Ursprünglich für den amerikanischen Markt für Musik gedacht, expandierte das Unternehmen dann auch auf den deutschen Markt und bot neben Musik erstmals auch Märchenlesungen an.
Europa war dann maßgeblich die Idee von Andreas Beurmann. Das Unternehmen verkauften Platten zu einem heftigen Kampfpreis von 5 Mark, die damals normalerweise viel mehr gekostet hätten. Durch enormes Wachstum der Firma verlagerte es seinen Sitz dann nach Quickborn und führte 1966 eine Kinderserie ein. Als ersten Titel veröffentlichte Europa “Struwwelpeter”, natürlich gelesen von Hans Paetsch.
Wir sind ja in den 80ern und 90ern aufgewachsen und ich persönlich muss sagen, dass ich die Hörspiele verschlungen habe. Doch Ende der 80er verlor Europa stark an Umsatz, angeblich durch Konkurrenz durch Computerspiele, so dass in den 90ern fast nur noch TKKG und Die 3 Fragezeichen produziert wurde. Apropos 3 Fragezeichen, wen wunderts, das ist immer noch der Topseller des Unternehmens.
Dem Label Europa hat das Internet dann auch einen großen Aufschwung beschert, denn durch nostalgische, jetzt erwachsene Hörer stieg die Nachfrage an den Hörspielen rasant an so dass sich die Klassiker sowohl physisch als auch digital sehr gut verkaufen. Seit 2012 werden allerdings keine Kassetten mehr produziert.
Die erfolgreichste und geschäftigste Regisseurin ist Heikedine Körting. Mehr als 2000 Hörspiele gehen auf ihr Konto und alleine sie wäre eine Folge Hörma wert.
Europa gehört zum Sony Konzern.

2 Gedanken zu „Podwichteln2018 – Hans Paetsch

  1. Podwichtel-Mission erfolgreich. Durchs Stöbern kam ich hierher, kannte weder euch – den Hörma-Podcast, noch die tollen Gastcaster. Bin gespannt auf die Auflösung!

    Mir geht’s wie euch, in den 80igern und 90igern aufgewachsen mit den üblich verdächtigen Kassetten, bin ich bis heute leidenschaftliche Hörerin allen Hörguts. Als mir der Titel hier ins Auge stach, ging kein Weg an der Folge vorbei. Herzlichen Dank!

    Andreas Beuermann verstarb übrigens leider vor zwei Jahren im Alter von 88. Aber „Onkel Titus“, der uns Hörspiele „Taschengeld-tauglich“ verkaufte, wie Europa sagte, bleibt genau wie Paetsch und viele andere wohlig im Kopf nachklingende Stimmen in lieber Erinnerung.

    Als Kassettenkind kann ich sagen, dass Europa die Drei ???, wenn auch in kleiner Auflage, auf MC veröffentlicht.

    Interessant finde ich, dass auch mich viiiieeele Jahre der Moment der „Hälfte“ beschäftigt hat. Wann dreht man die Kassette oder Schallplatte um? Seitdem ich meine Kassetten digitalisiere ist „der Moment“ etwas entmystifiziert. Ich sage nur Benjamin Blümchen, Folge 21… „Da, da läuft er!“ Durcheinanderreden „Haltet den Dieb!“ – Spannung, entsetzen. Der perfekte Moment um die Seite zu wechseln… geht verloren, wenn man Benjamin als Weihnachtsmann in einem hört. Ich zucke und die Handlung geht unbeirrt weiter, keine Zäsur, kein besonderer Moment. Gaben nicht doch eher Minutenangaben und Satzende den Seitenwechsel vor, als man sich es als Hörer immer dachte? Habe das noch nie mit jemandem geteilt, umso spannender dass der Seitenwechsel hier erwähnt wurde. Und auch spannend was der medienbedingte Seitenwechsel letztlich alles in die Geschichten hereinbrachte… zumindest eine Zwangsunterbrechung mit heute fast verlorenem Gedankenkreisen, einen Zwischenabschluss oder einen Cliffhanger, kurze Zeit des Aufatmens, Wunderns und oder der Metabetrachtung.

    LG
    TaoTao

    • Hallo TaoTao,
      Vielen herzlichen Dank für Dein Feedback und das Schwelgen in der guten, alten Kassettenzeit. In der Tat ist das Thema “Seitenwechsel” spannend – eigentlich müsste man so etwas mal medienwissenschaftlich beleuchten (also inwiefern Seitenwechsel bei LP und MC als inhaltliches Mittel verwendet wurdn, um z.b. – wie von Dir angedeutet – Cliffhanger zu schaffen). Bzw. auch allgemein, welche Formen es gibt & gab, besondere Eigenschaften eines Audio-Mediums bewusst in den Inhalt einzubeziehen. Vielleicht liest ja irgendein Bachselor- oder Master-Student das hier, und macht sich da mal dran (oder vielleicht gibt es sogar schon Forschung dazu)? Fänd ich mega-spannend!

      Ansonsten sind wir auch echt geflashed, was sich unsere Wichtel da tolles für uns haben einfallen lassen. Wir haben schon eine Ahnung, wer die Wichtel sind, aber verraten natürlich noch nix ;). Jedenfalls sind wir wirklich begeistert, was da für eine tolle Folge bei rausgekommen ist.

      Wir hoffen, Du hast auch weiterhin Spass mit unserem Podcast!

      Liebe Grüße & ein gesundes neues Jahr,

      Jörg

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